Intranet Buch - Bewertung Rocket-Chat eher negativ, warum eigentlich?

Hallo zusammen,

vorab erstmal vielen Dank für das Buch, es bestätigte viele meiner Gedanken und Meinungen. Gut zu wissen, das man nicht alleine ist mit der Meinung. Nun zu meiner Frage:

Im Abschnitt „Usability mindestens auf WhatsApp-Niveau
wird Rocket-Chat von Martin bewertet mit " Hinter die Open-Source-Alternativen Mattermost, Rocket.Chat und Matrix.org muss man Stand jetzt allerdings noch Fragezeichen setzen."

Das hört sich für mich an, als ob Rocket-Chat noch ein paar Schwächen hat, die von einem produktiven Einsatz eher abraten. Kann natürlich auch von mir einfach falsch verstanden worden sein. Warum gibt es noch „Fragezeichen“?

Wir haben RC im Einsatz, weil es lokal gehostet werden kann und es gerade alle wichtigen Funktionen wie WhatsApp mitbringt:

Voice-Chats
Gruppen-Chats
Bilder können einfach eingefügt werden
Nutzung auf Smartphones einfach möglich
Video-Chat ist mit Jitsi möglich (ok hier ist die Qualität manchmal bescheiden)
Via REST-Api anbindbar an Confluence oder Jira

Also eigentlich alles was Martin von einem „guten“ Chat Tool verlangt.

Danke schon einmal für die Aufklärung und rege Diskussion!

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Erstmal Danke, dass Du die Frage hier noch mal gestellt hast. Ich werde darauf kurzfristig ausführlicher Antworten. Grundsätzlcih ist Open-Source eine wirklich coole Sache und gegen die genannten Software-Lösungen spricht gar nichts, wenn Sie Eure Anforderungen erfüllen.

Ich vertiefe die Diskussion mit Dir hier noch tiefer, wenn ich etwas Zeit habe. #freuemichdarauf

Hallo Björn @Roemermann!

Danke noch mal für Deine Frage. Und hier jetzt mal eine ausführlichere Antwort.

Whatsapp regiert: Die geben die Konventionen und Erwartungen an Messenger vor.

Alle Messenger-Systeme müssen sich an Whatsapp messen lassen, weil das so weit verbreitet ist. Gefühlt hat es in der westlichen Welt jeder auf seinem Smartphone installiert. Laut Jakob Nielsen gilt etwas dann als Konvention, wenn mindestens 50% der Nutzer etwas erwarten. Whatsapp gibt sozusagen vor, was die Nutzer erwarten.

Insofern würde ich Euch bei der Prüfung von Rocket.Chat empfehlen, nach der Installation mit Eurem Projektteam mal alle die Mobile-Apps zu installieren und zu chatten. Und? Was stellt Ihr fest? Wo ist das System besser und wo schlechter?

Bei meinem letzten Test, der allerdings zugegebenermaßen schon Jahre her ist, konnte man in Rocket.Chat viele Funktionen nicht nutzen, die bei modernen Messengern aktuell waren. Ich habe damals eine Seite mit Funktionen erstellt, um meinen Freunden zu erklären, warum ich so sehr auf Telegram stehe: Warum Telegram besser als Whatsapp ist. (englisch)

Ich kann den aktuellen Stand von Rocket.Chat nicht bewerten. Aber jüngst habe ich mich mit Matrix.org beschäftigt, was in der Open-Source-Community ziemlich gefeiert wird. Das kam UX-technisch auch nicht an Whatsapp und erst recht nicht an Telegram ran.

Im Unternehmenskontext kenne ich noch Google Chat. Das habe ich schon mal bei einem Tech Talk vorgestellt:

Auch relevant auf der kommerziellen Seite sind Slack, Microsoft Teams und vielleicht Grape, weil man das auch on premise betreiben kann. Und die kommen meines Erachtens alle gut mit der Whatsapp-Hürde klar. Wie ist denn Euer Gefühl mit Rocket.Chat im Team? Erzähl’ doch mal.

Hallo zusammen,
erst einmal Entschuldigung, dass meine Antwort so lange hat auf sich warten lassen. Tja wie sind unsere Erfahrungen mit Rocket-Chat?

Zuerst muss man verstehen, dass wir noch am Anfang stehen, was die Nutzung von Chats und (ich nenn das jetzt mal so) moderner Kommunikation außerhalb der Welt von E-Mails betrifft. Genau wie in Deinem Buch beschrieben gibt es die übliche Verteilung von Nutzern (sofort begeistert + genutzt, neutral und ablehnend).

Bisher war der Chat bei uns nur im LAN möglich, hat sich aber auch dort wacker geschlagen. Die Kernuser waren durch die Bank zufrieden, das Design und Funktionsmöglichkeiten haben überzeugt. Alles was WhatsApp kann, kann RC auch und auch genauso einfach.

Aktuell sind wir gerade dabei den Chat via Internet erreichbar zu machen, damit er einfacher und vielseitiger nutzbar wird. Die Android-App funktioniert gut und ist auch einfach zu bedienen.

Corona hat auch bei uns das Verlangen nach einem Video-Chat entfacht. Jitsi kann schön mit RC kombiniert werden. Aber man muss ganz ehrlich sagen, dass Jitsi nur unter dem Aspekt der kostenfreien Nutzung funktionierte. Es gibt einfach zu oft Probleme mit der Video-Stream-Qualität. Für eine kostenfreie Lösung für „mal eben“ ist Jitsi in meinen Augen aber überraschend gut.

Das Atlassian/Rocket-Chat Team möchte jetzt Rocket-Chat als erste Alternative etablieren. Wie lange diese Plattform bestehen bleibt ist ungewiss, da es in der Führungsebene aktuell Bestrebungen gibt sowohl eine Microsoft-first- als auch Cloud-first-Strategie zu formulieren. Dies würde aber mit erheblichen Kosten einhergehen. Alleine deswegen wird zumindest eine Zwischenlösung benötigt.

Als Fazit kann ich nur sagen: Wenn es keinen Zwang für Microsoft gibt und ein Chat alles ist was man möchte, dann gibt es eigentlich keinen Grund warum die kostenfreie Version von Rocket-Chat nicht verwendet werden sollte. Rocket-Chat bringt als Chat-Tool alles mit, ist einfach zu bedienen und ist auch auf der Serverseite sehr genügsam.

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Disclaimer – Bin wegen meinem Grape.io - Background natürlich biased.

Das große Problem aller Kommunikationstools ist uAn die lose Einbindung in bestehende Lösungen. Alle Business-Chats emulieren WhatsApp und integrieren dann bestehende Tools über Bot-/Aktivitätsintegrationen.

Das zerstört nicht nur die Übersicht, sondern lenkt auch vor allem enorm ab. Sobald (Jira, Confluence, etc.) in RC und anderen Tools eingebunden sind, bekommt jeder Kunde mit >30 Mitarbeitern ca. 1 Benachrichtigung pro Minute. Wer schon mal mit WhatsApp einem Gruppenchat beigetreten ist (und dann notgedrungen diesen wieder verlassen hat), weiß wie anstrengend Chats auch werden können.

Eigentlich muss man im neuen Remote-Alltag (wenn man nicht in einem Jitsi-Meeting ist) sich vor allem ZU einem Projekt/einer Aufgabe/einer Datei abstimmen, deshalb kann man mit Grape innerhalb von Jira, Confluence, etc. Chats aufmachen und genau mit den Leuten reden, die ebenfalls an diesem Projekt/Artikel arbeiten.

WhatsApp ist ein super Tool, im Firmenalltag ist man aber mit einer 1-zu-1-Übernahme der Funktionen, wenn man die MA nicht mit dauervibrierenden Arbeitsgeräten überfordern und Übersicht waren will, nicht gut beraten.

Außerdem hat Grape den sog. Grape Search - eine integrierte Suchmaschine für alle internen und externen Business-Daten, die man dann wie ein Emoji an die Nachricht anhängen kann. Es geht uns also bei allen Funktionen darum weniger Nachrichten mit mehr Inhalt zu produzieren.

Zu Jitsi: Wir haben ebenfalls auf die Open-Source-Software gesetzt und sind in diverse Engpässe gelaufen. Wir haben den Service aber Umgebaut und für größere Gruppen optimiert. Die Technologie von Jitsi (SFU - Selective Forwarding Units) ist aber definitiv zukunftsträchtiger als die MCU (hat nichts mit Marvel Cinematic Universe zu tun – ist die Technologie von Teams, Zoom und Co, die alle Bilder am Server verarbeitet und Encryption schwer macht) und wird sich langfristig sicher durchsetzen.

Wir haben – um die europäische Lösung weiter in den Markt zu pushen – unsere Cloud -Lösung für bis zu 10 Personen und eine sidebar Integration auf kostenlos umgestellt, damit man sich auch mal von Grape ein Bild machen kann. Dieses Angebot gilt für min. drei Jahre. Gerade in Verbindung mit einer Jira- oder Confluence Sidebar sieht man dann oft recht schnell den Vorteil.